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04.02.2010
Ein Badmintoninternat strebt nach Perfektion
von Sina Schaaf
2010!  Ein neues Jahr, ein neues Jahrzehnt, eine neue Chance – eine Chance, aus dem Bundesleistungszentrum Mülheim das Badminton-Zentrum Europas zu machen. Bis dahin ist es ein langer Weg. Doch eine wesentliche Voraussetzung ist vorhanden: Ein gut funktionierendes Team aus jungen, dynamischen Talenten und geballter Trainerkompetenz, das bereit ist, diesen Weg gemeinsam – in guter Kooperation zwischen BLV-NRW und DBV – zu beschreiten.
 
 
Eine wesentliche Säule des Zentrums ist das umgebaute Yonex-Badmintoninternat des Badminton-Landesverbandes NRW, seit dessen Fertigstellung der frische Wind, der durch das Mülheimer Haus des Sports weht, geradezu deutlich zu spüren ist. Hier können sich Talente ab einem Alter von ca. 14 Jahren entfalten und werden bestmöglich auf den nationalen und internationalen Wettkampf vorbereitet. Fragt man die Internatsschüler nach ihren Zielen, Erwartungen und Hoffnungen hört man Eines ganz klar heraus: Sie wollen Deutschlands Badmintonspitze werden – mindestens!

Da hat man natürlich die besten Chancen, wenn der Weg zum Training gerade einmal fünf Minuten beträgt, findet auch die 14-jährige Jennifer Karnott. Sie besucht das Internat seit Anfang August, und ist erstaunt über die rasche Entwicklung, die sie macht. „Hier habe ich schon nach einem Monat erstaunliche Verbesserungen merken können“, so die Schülerin des Gymnasiums Luisenschule in Mülheim. Und auch die anderen Internatsschüler finden, dass bis zu zweimal täglich individualisiertes Training eine hervorragende Grundlage ist, um den eigenen Badmintontraum zu verwirklichen. 

Neben dem erfolgten Aus- und Umbau des Internats hat das Jahr 2009 eine weitere positive Neuerung mit sich gebracht: Steffi Müller. Endlich eine Frau im Trainerteam! Eine Bezugsperson und „Freundin“ insbesondere für die „Mädels“. Steffi, selber eine ehemalige Spitzenspielerin und seit Juli Co-Landestrainerin NRW, wohnt ebenfalls im Internat und bietet den Leistungssportlern neben Training auch eine professionelle Physiotherapie. „Mit den positiven Veränderungen, die die letzte Zeit mit sich gebracht haben, wie der Umbau und die neue Trainerin, lässt es sich gut hier in Mülheim leben. Sonntags freue ich mich sogar schon darauf, am Montag zurück zu sein“, so die 15-jährige Ramona Hacks, die ebenfalls seit Anfang August im Nachwuchsstützpunkt Mülheim trainiert.

Zu den positiven Veränderungen gehört noch einiges mehr: Gabriele Poste kümmert sich um ein gemeinsames Mittagessen, darüber hinaus wurden im Zuge der Renovierung eine Gemeinschaftsküche und ein voll ausgestatteter Aufenthaltsraum bereitgestellt, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Die Rahmenbedingungen passen also.

Doch es kommt noch besser: Es stehen weitere Maßnahmen ins Haus, um den jungen Sportlern das bestmögliche Zuhause und Trainingsumfeld zu bieten. Im Sommer 2010 wird auch die Trainingshalle an der Südstraße renoviert, um den Spielern eine Sauna, einen neuen und topausgestatteten Kraftraum und turniernahe Verhältnisse liefern zu können. „Die Anstrengungen und Investitionen der letzten Monate haben sich schon jetzt ausgezahlt“, findet Tobias Grosse, Leitender Landestrainer in Nordrhein-Westfalen und des Nachwuchsstützpunktes Mülheim. „Die Rahmenbedingungen, die geschaffen wurden und weiterhin geschaffen werden, sind meiner Meinung nach nahe zu perfekt.“
 
Einer der Neuzugänge und viel versprechenden Talente des BLV-NRW, Mark Byerly, hat in einem kurzen Interview Rede und Antwort gestanden, um zu erläutern, was alles mit dem Badmintoninternat verbunden ist.


Ramona Hacks „schindet“ sich um die acht Einheiten pro Woche, um 
ihre Badmintonträume wahr werden zu lassen – und hat genug Grund zu lachen.
Hi Mark! Wie gefällt dir denn das Leben im Badmintoninternat Mülheim? Du bist ja mittlerweile auch schon über ein halbes Jahr hier?!
Also, ich kann sagen, dass es sich richtig gelohnt hat hier herzukommen. Ich habe das Gefühl, dass ich wirklich reifer und selbstständiger geworden bin, seitdem ich hier lebe. Schon alleine die Entscheidung zu treffen, meine Heimat zu verlassen, hat mich ein Stück weit verantwortungsbewusster gemacht. Ich wurde so zu sagen gezwungen, endlich mal Prioritäten zu setzen.

Was bedeutet es für dich, Prioritäten zu setzen? Freunde und Familie zurück zu lassen, um sich nur auf das Badmintonspiel zu konzentrieren?
Nein, das auf keinen Fall. Ich sehe meine Familie immer noch jedes Wochenende, und meine Freunde habe ich sozusagen Tag und Nacht um mich. Dazu kommt noch, dass ich immer mit ihnen trainieren und mich dabei noch verbessern kann. Außerdem stärkt das Zusammenleben auch das „Wir-Gefühl“ gegenüber Sportlern anderer Landesverbände und Nationen. Prioritäten in sofern, als dass ich jetzt ein deutliches Ziel vor Augen habe, und mich endlich in der Lage fühle, es hier erreichen zu können, dabei aber trotzdem die Schule nicht zu kurz kommen zu lassen.

Also würdest du sagen, deine schulischen Leistungen sind konstant geblieben, seitdem du hier bist?
Ja, wenn nicht sogar besser! Ich strenge mich jetzt viel mehr an, um gute Noten zu bekommen. Ich weiß ja, was es bedeutet hier sein zu dürfen. Außerdem nehmen die Trainer auch sehr viel Rücksicht auf uns. Wenn wir z. B. im Lernstress sind, verstehen sie es, wenn wir mal nicht zum Training kommen können.

Wie würdest du ansonsten das Verhältnis zwischen euch und den Trainern beschreiben?
Die Trainer sind nicht nur Trainer, sondern auch ganz klare Bezugspersonen. Sie wohnen teilweise mit uns im Haus des Sports und sind somit immer da, wenn wir sie mal brauchen. Sie sind über die Zeit sogar zu richtigen Freunden geworden und sind immer unser erster Ansprechpartner.

Und sie haben auch schon eine ganze Menge mit euch erreicht. Du z. B. bist 2009 Deutscher Vizemeister im Einzel und Doppel geworden und spielst in der U17-Nationalmannschaft. Was sind denn deine weiteren persönlichen Ziele?
Ich trainiere sehr hart, um in nicht zu ferner Zukunft Deutscher Meister im Einzel zu werden. Danach stehen mir dann, glaube ich, alle Türen offen.
 

Dann drücke ich dir auf jeden Fall die Daumen, dass du deine Ziele erreichst und wir dich schon bald ganz oben auf dem Treppchen bei der DM bewundern können. Vielen Dank für das Gespräch.


Manchmal ist Selbständigkeit gefragt: 
Mark Byerly als „Gourmetkoch“ in der 
neuen Küche des Badminton-Internats Mülheim.
Zahlen, Namen & Fakten …

Das Yonex-Badminton-Internat Mülheim:
c/o Badminton-Landesverband NRW
Südstraße 23/25, 45470 Mülheim
 

Schüler am Vollzeitinternat:
Max Schwenger, Raphael Beck, Fabian Scherpen, Mette Stahlberg, Fabienne Deprez, Mark Byerly, Lukas Mühlhaus, Ramona Hacks, Jennifer Karnott

Schüler am Teilzeitinternat:
Lisa Heidenreich, Niklas Niemczyk, Jasmin Wu, Daniel Hess

Pädagogische Betreuer:
Stefanie Müller, Matthias Hütten, Tobias Grosse (Internatsleitung)

Partnerschulen:
Gymnasium Luisenschule
An den Buchen 36, 45470 Mülheim
Schulleiter: Bernd Troost

Realschule Stadtmitte
Oberstraße 92-94, 45468 Mülheim
Schulleiter: Gebhard Lürig

Unterbringung, Betreuung und Verpflegung im Internat:
Die Unterbringung erfolgt in Einzelzimmern, die im letzten Jahr komplett renoviert worden sind. Die Kernbetreuung erfolgt über die im Haus des Sports lebenden Trainer Matthias Hütten und Steffi Müller. Für die gemeinsame Mittagsverpflegung ist Gabriele Poste zuständig. Im Rahmen der Internatsrenovierung wurden eine Gemeinschaftsküche sowie ein Aufenthaltsbereich komplett eingerichtet. Räume, die den Bewohnern rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Trainingsangebot:
Je nach Leistungsstärke sind die Internatsathleten/innen diversen Trainingsgruppen zugeordnet: Lisa Heidenreich und Fabienne Deprez trainieren als Mitglieder der Damen-Nationalmannschaft unter der Leitung von Xu Yan Wang am Bundesstützpunkt für Dameneinzel, Max Schwenger, Fabian Scherpen, Raphael Beck und Niklas Niemczyk unter Holger Hasse am Bundesstützpunkt Jugend, während Mette Stahlberg, Mark Byerly, Lukas Mühlhaus, Ramona Hacks, Jennifer Karnott, Jasmin Wu und Daniel Hess am Nachwuchsstützpunkt mit Marcus Busch, Steffi Müller und Tobias Grosse arbeiten. 
Bei allen Nachwuchsathleten ab der Altersklasse U 15 sind es mindestens zwei Trainingseinheiten im Vormittagsbereich und insgesamt sechs Badmintoneinheiten sowie zwei bis drei Athletikeinheiten pro Woche , die auf dem Programm stehen.

Schulische Unterstützung: 
Die Luisenschule Mülheim verfügt als „Partnerschule des Leistungssports“ über 18 Deputatstunden wöchentlich, die zur zusätzlichen Unterstützung der Badmintonschüler zur Verfügung stehen. Je nach individuellem Leistungsstand wird von Lehrern der Luisenschule Förderunterricht durchgeführt.


Eine, die schon richtig erfolgreich war und eine, die es unter ihrer 
Anleitung noch werden möchte: Steffi Müller & Jennifer Karnott.